Kindertagespflege - Betreuung mit familiärem Charakter

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Unter Kindertagespflege versteht man die Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern durch eine geeignete Kindertagespflegeperson in ihrem Haushalt, im Haushalt der Personensorgeberechtigten oder in anderen geeigneten Räumen.
Kindertagespflege ist ein Betreuungsangebot für Kinder im Alter von 0 bis 14 Jahren, eignet sich jedoch in erster Linie für Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren. Für ältere Kinder kann diese Form der Betreuung unter Umständen ergänzend zum Besuch einer Kindertagesstätte oder zum Besuch einer Ganztagsgrundschule erfolgen.

Kindertagespflegepesonen werden durch eine bundesweit anerkannte Qualifizierung auf ihre Tätigkeit vorbereitet. Zudem müssen sie weitere Voraussetzungen erfüllen, um vom öffentlichen Jugendhilfeträger als geeignet eingestuft zu werden und gegebenenfalls eine Pflegeerlaubnis zu erhalten. Wer Kinder im Haushalt der Personensorgeberechtigten betreuen möchte, erhält nach Vorlage sämtlicher Voraussetzungen eine Bescheinigung über die Eignungsfeststellung.


Eine Pflegeerlaubnis benötigt, wer

  • mehr als 15 Stunden in der Woche und
  • länger als 3 Monate und
  • gegen Bezahlung und
  • nicht im Haushalt der Kinder betreuen

Die gesetzlichen Grundlagen für die Kindertagespflege sind in den §§ 22ff und im § 43 Sozialgesetzbuch VIII geregelt.

Mögliche Betreuungsorte in der Kindertagespflege

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1. Kindertagespflege im Haushalt der Betreuungsperson

Diese Kindertagespflege ist die klassische Form. Vom öffentlichen Träger muss nach Feststellung der Eignung eine Pflegeerlaubnis für genau diese Räumlichkeiten erteilt werden. In der Pflegeerlaubnis wird auch die Anzahl der Kinder, die betreut werden dürfen, fest geschrieben. Nichtsdestotrotz besteht zwischen den personensorgeberechtigten Eltern und der Betreuungsperson eine privatrechtliche Grundlage.


2. Kindertagespflege im Haushalt der Personensorgeberechtigten

Betreuungspersonen, die im Haushalt der Personensorgeberechtigten betreuen, benötigen keine Pflegeerlaubnis. Eine Pflegeerlaubnis ist sozusagen die moderne Form des bereits im 19. Jahrhundert bestehenden Erlaubnisvorbehaltes: sie gilt als generelle Aussage über die Mitverantwortung des Staates bei der Erziehung von Kindern außerhalb des Elternhauses.

Wenn jedoch im elterlichen Haushalt betreut wird, geht der Gesetzgeber davon aus, dass der Einblick der Eltern in das Geschehen und ihre Einflussnahme ausreichend gewährleistet ist, sodass es keiner öffentlichen Aufsicht bedarf.

Wer im Haushalt der Personensorgeberechtigten betreuen möchte, unterliegt den selben Eignungsvoraussetzungen wie Kindertagespflegepersonen, die vom öffentlichen Träger eine Pflegeerlaubnis erhalten.

In der Regel wird bei dieser Form ein Angestelltenverhältnis begründet, da die Tätigkeit als weisungsbefugt eingestuft wird. Es gilt der gesetzliche Mindestlohn.


3. Großtagespflege und Kindertagespflege in anderen geeigneten Räumen

Kindertagespflege in anderen Räumen bedeutet die Betreuung in Räumlichkeiten, die nicht vorwiegend bewohnt werden.

Um eine Großtagespflegestelle handelt es sich, wenn sich 2 Kindertagespflegepersonen zusammen schließen und in denselben Räumen betreuen. Der familiäre Charakter sowie die für die Kindertagespflege typische persönliche Zuordnung der Kinder zu einer Betreuungsperson sollen gewahrt bleiben.

Die Voraussetzungen für die Erteilung einer Pflegeerlaubnis sind mit den Voraussetzungen aus der klassischen Form der Kindertagespflege identsich. Hinzu kommt, dass in der Regel Erfahrungen in der Betreuung mehrerer fremder Kinder unter 3 Jahren nachgewiesen werden muss.

Die räumlichen Voraussetzungen, die Bestimmungen für die Außenbereiche und die Sicherheitsvoraussetzungen unterliegen anderen Maßstäben als in der privaten Kindertagespflege. Beispielsweise muss vor der Erteilung einer Pflegeerlaubnis geklärt werden, ob eine baugenehmigungspflichtige Nutzungsänderung im Sinne von § 68 der Niedersächsischen Bauordnung (NBauO) für die Räumlichkeiten beantragt werden muss.

Informationen für Eltern


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Ist Kindertagespflege die richtige Betreuung für Ihr Kind?


Bei der Kindertagespflege handelt es sich um eine Betreuung in einem familiären Rahmen. Da nicht mehr als fünf Kinder gleichzeitig betreut werden dürfen, ist ein hohes Maß an Orientierung und Verlässlichkeit in der Beziehung zur Betreuungsperson gegeben. Kindertagespflegepersonen unterstützen die Entwicklung der Kinder in einer sicheren Umgebung mit kindgerechten Angeboten und einem gut strukturierten Tagesablauf.

Die Fachberatung Kindertagespflege der Stadt Oldenburg informiert Sie individuell und kostenlos über die Betreuungsmöglichkeiten für Ihr Kind.



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Mit welchen Kosten muss ich rechnen?


Für die Betreuung in Kindertagespflege gewährt die Stadt Oldenburg eine laufende Geldleistung, die in der Regel direkt vom Amt für Jugend und Familie an die Betreuungsperson gezahlt wird, nachdem die Eltern einen Antrag auf Förderung gestellt haben und der Betreuungsumfang in einem Bescheid festgelegt wurde. Grundvoraussetzung für diese laufende Geldleistung ist zum einen, dass das Kind in der Stadt Oldenburg gemeldet ist und zum anderen, dass die Betreuungsperson im Besitz einer gültigen Pflegeerlaubnis/Eignungsfeststellung ist.

Die Eltern zahlen für die Inanspruchnahme des bewilligten Betreuungsumfanges einen Kostenbeitrag an das Amt für Jugend und Familie. Dieser Kostenbeitrag ist nach Einkommen gestaffelt. Die Satzung der Stadt Oldenburg zur Erhebung von Kostenbeiträgen für die Betreuung in Kindertagespflege regelt Näheres. Die Kostenbeiträge für die Betreuung in Kindertagespflege und in Kindertageseinrichtungen unterscheiden sich nicht.


Hier können Sie die Satzung der Stadt Oldenburg einsehen.


Warum ist ein Betreuungsvertrag sinnvoll?

Der Betreuungsvertrag ist eine von der öffentlichen Förderung unabhängige zivilrechtliche Vereinbarung zwischen Ihnen und der Betreuungsperson. Wir empfehlen den Abschluss eines Betreuungsvertrages. In diesem Vertrag werden Einzelheiten geregelt, die notwendig sind, wenn Sie Ihre Erziehungsverantwortung für einen Teil des Tages in die Hände einer qualifizierten Kindertagespflegeperson geben. Absprachen bezüglich der Eingewöhnung, Urlaubsplanung oder Kündigungsfristen sollten im Betreuungsvertrag schriftlich festgehalten werden.


Hier finden Sie die aktuelle Informationsbroschüre für Eltern.



Informationen für Kindertagespflegepersonen und solche, die es werden wollen

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Welche Voraussetzungen sind notwendig, um als Kindertagespflegeperson in der Stadt Oldenburg arbeiten zu können?

Für die Betreuungstätigkeit in Kindertagespflege wird vorausgesetzt:

  • Volljährigkeit
  • Hauptschulabschluss oder eine vergleichbare Qualifikation
  • Freude am Umgang mit Kindern und an deren Bildung und Förderung
  • Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Flexibilität
  • Offenheit, Toleranz und Kooperationsbereitschaft gegenüber Eltern und dem öffentlichen Träger
  • Bereitschaft zu vorbereitender und tätigkeitsbegleitender Qualifizierung und Weiterbildung
  • geeignete, kindgerechte Räumlichkeiten (sofern im eigenen Haushalt betreut werden soll) und ausreichend Spielmöglichkeiten

Bevor eine Pflegeerlaubnis ausgestellt wird, überprüft der öffentliche Träger die Eignung der Bewerberin und überprüft die Geeignetheit der Räumlichkeiten. Wer im Haushalt der Personensorgeberechtigten betreuen möchte, erhält nach Feststellung der Eignung keine Pflegeerlaubnis, sondern eine Bescheinigung über die Eignungsfeststellung.

Sowohl für die Erteilung der Pflegeerlaubnis als auch für die Bescheinigung über die Eignungsfestellung müssen einige Kriterien erfüllt sein. Im Einzelnen können Sie diese Voraussetzungen in unserer Informationsbroschüre nachlesen. Sie können Sie auch bei der Fachberatung Kindertagespflege ausführlich informieren



Die Informationsbroschüre "Arbeitsplatz Kindertagespflege - Rahmenbedingungen und Anforderungsprofile" finden Sie hier.



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Wie erfolgt die Qualifizierung?

Bevor Sie mit einer Qualifizierung beginnen, sollten Sie unbedingt mit der Fachberatung Kindertagespflege Kontakt aufnehmen, um abzuklären, ob Sie die Grundvoraussetzungen für eine Tätigkeit in Kindertagespflege erfüllen.


Gemäß § 43 Abs. 2 SGB VIII soll die Kindertagespflegeperson über "vertiefte Kenntnisse hinsichtlich der Anforderungen der Kindertagespflege verfügen, die sie in qualifizierten Lehrgängen erworben oder in anderer Weise nachgewiesen hat."


Bundesweit anerkannt ist die Qualifizierung nach dem Curriculum des Deutschen Jugendinstituts (DJI).

Qualifizierungskurse für die Kindertagespflege werden in der Stadt Oldenburg von der Evangelischen Familienbildungsstätte (EFB) angeboten. Das von der EFB angebotene Qualifizierungskonzept nach dem DJI Curriculum setzt sich nach dem Bausteinprinzip zusammen. Die einzelnen Bausteine können - unter Einhaltung der Anforderungen - flexibel und unabhängig voneinander besucht werden.

Nähere Informationen zu den Kursen finden Sie auf der Internetseite der EFB oder direkt bei der


Evangelische Familienbildungsstätte (EFB)
Gorch-Fock-Str. 5a
26135 Oldenburg

E-Mail: ol-anmeldung(at)efb-oldenburg.de oder: ol-info(at)efb-oldenburg.de
Tel. 0441 / 77 60 01



Förderung in Kindertagespflege


Die Förderung in Kindertagespflege umfasst gemäß § 23 SGB VIII:

  • die Vermittlung
  • die Beratung, Begleitung und weitere Qualifizierung
  • die Gewährung einer laufenden Geldleistung

Die laufende Geldleistung umfasst:

  • die Erstattung angemessener Kosten, die der Kindertagespflegeperson für den Sachaufwand entstehen
  • einen Beitrag zur Anerkennung der Förderleistung (Betreuung, Fördern und Bilden)
  • die hälftige Erstattung nachgewiesener Aufwendungen für eine angemessene Alterssicheurng
  • die hälftige Erstattung nachgewiesener Aufwendungen für eine angemessene Kranken- und Pflegeversicherung
  • bei angestellten Kindertagespflegepersonen - im Haushalt der Personensorgeberechtigten -: die hälftige Erstattung der nachgewiesenen Sozialversicherungsbeiträge


Als selbständige Kindertagespflegeperson erzielen Sie steuerpflichtige Einkünfte. Es besteht die Pflicht, die Einkünfte zu versteuern.

Bitte erkundigen Sie sich ausführlich bei einem Experten für Steuerrecht oder bei der Oberfinanzdirektion Niedersachsen, denn jeder Fall in der Praxis birgt individuelle Besonderheiten in der arbeitsrechtlichen, sozialversicherungsrechtlichen und steuerrechtlichen Behandlung.


Informative Links zum Thema Kindertagespflege

Foto: Rainer Sturm, pixelio.de














Niedersächsisches Kindertagespflegebüro

(www.tagespflegebuero-nds.de)

Tagespflege Vierheller
(www.tagespflege-vierheller.de)

Landesprogramm Familien mit Zukunft
(www.familien-mit-zukunft.de)

Handbuch Kindertagespflege
(www.handbuch-kindertagespflege.de)

Minijob-Zentrale

(www.minijob-zentrale.de)