Angebote für Kinder mit besonderem Förderbedarf

Foto: Henning Hraban Ramm, pixelio.de


Kinder entwickeln sich auf unterschiedliche Weise und in unterschiedlicher Geschwindigkeit. Die kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt helfen Eltern, Verzögerungen und Beeinträchtigungen in der Entwicklung ihrer Kinder frühzeitig wahrzunehmen. Besucht das Kind bereits eine Kindertagesstätte, kann auch ein Gespräch mit den betreuenden Fachkräften hilfreich sein.

Bei Kindern, für die eine heilpädagogische Förderung von wenigen Stunden in der Woche ausreichend erscheint, wird ein Angebot einer Frühfördereinrichtungen in Frage kommen.


Kostenträger für Leistungen der Frühförderstellen ist das Amt für Teilhabe und Soziales, Pferdemarkt 14. Dort ist ein Antrag auf Frühförderung zu stellen.



Ist die Entwicklung des Kindes so stark beeinträchtigt oder verzögert, dass Frühförderung nicht ausreicht, dann hat das Kind Anrecht auf einen Platz in einem integrativen Kindergarten oder in einem Sonderkindergarten. Die Kinder besuchen diese Einrichtungen mindestens 5 Stunden an fünf Wochentagen. In allen Einrichtungen werden die Kinder nach einem ganzheitlichen Konzept gefördert und betreut, das ihre Eingliederung, Erziehung und Bildung einschließt.

In Integrationsgruppen werden Kinder mit unterschiedlichen Behinderungen gemeinsam mit Kindern ohne Behinderungen in ihrer Entwicklung pädagogisch begleitet, unterstützt und gefördert. Integrationsgruppen sind ein wohnortnahes Angebot für alle Kinder. Kinder mit und ohne Behinderungen haben hier die Möglichkeit, bereits im Vorschulalter Freundschaften in ihrem Wohnumfeld zu knüpfen.

Eine Integrationskindergartengruppe besteht – abhängig von der Raumgröße – aus höchstens 18 Kindern, darunter mindestens 2 und höchstens 4 Kinder mit Behinderungen. Das Fachpersonal einer Gruppe besteht aus drei Personen, einer heilpädagogischen Fachkraft und zwei pädagogischen Fachkräften. Die therapeutische Versorgung der Kinder mit Behinderungen (z.B. Krankengymnastik, Logopädie, Ergotherapie, Motopädie) erfolgt auf ärztliche Verschreibung.
Für Kinder im Alter von 3 Jahren bis zum Schuleintritt gibt es in allen Stadtteilen Oldenburgs Integrationskindergartengruppen. Sie bieten unterschiedliche Betreuungszeiten an (5 bis 8 Stunden zuzüglich Früh- und Spätdienst).


Im Sonderkindergarten werden Kinder bis zum Zeitpunkt der Einschulung aufgenommen, die aufgrund ihrer Behinderung besondere Erziehungs- und Förderbedürfnisse haben. Die pädagogische Arbeit in den Gruppen wird von Fachkräften geleistet. Darüber hinaus bekommen die Kinder in den Einrichtungen therapeutische Leistungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Die Sonderkindergärten versorgen Kinder aus der Stadt Oldenburg und dem Umland. Die Kinder werden durch einen Fahrdienst abgeholt und am Nachmittag wieder nach Hause gebracht. Die jeweils angebotene Betreuungszeit ist für alle Kinder verbindlich.

  • Kindergarten im Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte

    Die Einrichtung fördert in 5 Gruppen jeweils 8-9 Kinder mit Hörstörungen. Das therapeutische Angebot ist auf den hörgerichteten Spracherwerb in Einzel- und Gruppenarbeit ausgerichtet und wird von therapeutischen Fachkräften durchgeführt (Sonderschullehrkräfte mit den Schwerpunkten Gehörlosen-, Schwerhörigen- und Sprachbehindertenpädagogik sowie Fachkräfte für Logopädie und Motopädie).

  • Sprachheilkindergarten der Arbeiterwohlfahrt

    Die Einrichtung fördert in 5 Gruppen jeweils 8 sprachauffällige und sprachgestörte Kinder im Alter von 4 bis 7 Jahren. Für die therapeutische Arbeit stehen therapeutische Fachkräfte mit verschiedenen Fachrichtungen zur Verfügung (Logopädie, Psychologie, Motopädie und Ergotherapie).

  • Kindertagesstätte Philosophenweg

    Die 3 Sonderkindergartengruppen fördern jeweils 6 Kinder mit einer Behinderung. An therapeutischen Leistungen können die Kinder in der Kindertagesstätte insbesondere Krankengymnastik, Ergotherapie und Sprachtherapie bekommen.

  • Kindertagesstätte Gorch-Fock-Straße

    In 2 Sonderkindergartengruppen werden jeweils 6 Kinder mit einer Behinderung gefördert.Außerdem werden therapeutischen Leistungen wie Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie und Motopädie angeboten.                                                                                                                                                                                                          Die beiden Einrichtungen des Diakonischen Werkes am Philosophenweg und in der Gorch-Fock-Straße) haben die Besonderheit, dass sie neben ihren Sonderkindergartengruppen auch Integrationsgruppen anbieten. Die enge Zusammenarbeit zwischen Sonderkindergartengruppen und Integrationsgruppen gehört hier zum pädagogischen Konzept. Jede Sonderkindergartengruppe wird durch 2 Fachkräfte betreut. Beide Einrichtungen fördern überwiegend Kinder mit Störungen in mehreren Entwicklungsbereichen. Steht eine körperliche Störung im Vordergrund, dann ist der Kindergarten im Körperbehindertenzentrum am Borchersweg zuständig, ist insbesondere die geistige Entwicklung gestört, dann ist die Kindertagesstätte am Philosophenweg zuständig.


Integrationsgruppe oder Sonderkindergarten?

Eine aktuelle Übersicht über die Kindertagesstätten mit Integrationsgruppen und die Sonderkindergärten mit den jeweiligen Betreuungszeiten finden Sie im Folgenden als Link oder können beim Amt für Jugend und Familie der Stadt Oldenburg angefordert werden (Tel. 235-2816).

Übersicht über die Kindertagesstätten mit Integrationsgruppen und die Sonderkindergärten

Der Zugang zum Sprachheilkindergarten und zum Landesbildungszentrum erfolgt über das Gesundheitsamt der Stadt Oldenburg (Terminvereinbarung unter Tel. 235-8645).

Bei den anderen Sonderkindergärten und allen Integrationseinrichtungen können Sie Antragsformulare für die Gewährung von Eingliederungshilfe erhalten. Die Anträge sind zu richten an

Stadt Oldenburg, Amt für Teilhabe und Soziales, Pferdemarkt 14, 26105 Oldenburg



Krippenbetreuung von Kindern mit Behinderung

Das Modellvorhaben zur gemeinsamen Betreuung von Kindern mit und ohne Behinderung in Krippen und Kleinen Kindertagesstätten endete zum 01.08.2012.
Ab dem 01.08.2012 gelten für die Betreuung von Kinder mit Behinderung im Alter unter drei Jahre in Krippen und Kleinen Kindertagesstätten die neuen Regelungen des Niedersächsischen Landesamtes für Soziales, Jugend und Familie.
In Oldenburg wurden im Jahr 2010 durch eine Arbeitsgruppe sechs Krippeneinrichtung ausgewählt, die eine wohnortnahe Betreuung von Kindern mit Behinderung im Alter unter drei Jahren anbieten:

1. Philosophenweg 23, Träger Diakonisches Werk
2. Sperberweg 30, Träger: Stadt Oldenburg
3. Ostlandstr. 14, Träger: Kindertagesstätten- und Beratungsverband
4. Dietrichsweg 37, Träger: Kindertagesstätten- und Beratungsverband
5. Kennedystr. 44, Träger: Verein für Kinder
6. Hermannstr. 54, Träger: Verein für Kinder

Die Anmeldung erfolgt jeweils im Januar für das neue Kitajahr ab August.

Weitere Informationen erteilt das Amt für Jugend und Familie der Stadt Oldenburg, Frau Galts, Tel. 235-2816


Erfahrungsbericht über eine erfolgreiche Integrationsmaßnahme in der Krippe

Im November 2013 kam Saskia* im Alter von 1,5 Jahren als Integrationskind zu uns in die Krippe. Regulationsstörungen in der Säuglingszeit hatten dazu geführt, dass Saskia starke Unruhe zeigte und besonders ihr Schlafverhalten für die Eltern zu einer großen Belastung wurde. Sie beantragten deshalb Eingliederungshilfe für ihr Kind. Das Gesundheitsamt attestierte für das Mädchen einen erhöhten Unterstützungsbedarf und empfahl die Aufnahme in eine Integrationskrippe.
Die Eingewöhnungszeit meisterte Saskia sehr gut und konnte sich nach drei Wochen gut von ihrer Mutter verabschieden. Schwierig waren für sie die vielen Reize und Ablenkungen und das Schlafengehen. Saskia reagierte auch in der Krippe häufig mit Unruhe, Schreien und Wut. Sie brauchte eine behutsame und enge Regulierungshilfe in allen alltäglichen Tätigkeiten: Beim Klettern auf dem Podest, bei den Abläufen der Rituale, beim Essen (nicht zu viel auf einmal in den Mund!), beim Einschlafen.
Es war den Mitarbeiterinnen wichtig, das Kind mit seinen Gefühlsäußerungen anzunehmen und zu akzeptieren und gleichzeitig Unterstützung zur Regulierung anzubieten. Beim Einschlafen legte die Erzieherin z.B. ihren Unterarm leicht auf den Rücken des Kindes und übernahm damit die Bewegung der Atmung, beim Klettern wurden aktiv Wege aufgezeigt, die ein eigenständiges und unabhängiges Bewegen ermöglichten (auf allen Vieren hoch und runter – ohne nach Hilfe zu schreien!). Durch diese liebevolle Regulierung von außen konnte Saskia nach und nach lernen, sich selbst zu regulieren.
Dieser Prozess war auch deshalb erfolgreich, weil gleichzeitig regelmäßig Gespräche mit den Eltern stattgefunden haben. Es wurde über die Fortschritte und den Umgang in der Krippe mit Saskia berichtet und die Eltern hatten bei vielen Gelegenheiten die Möglichkeit, von ihren Belastungen zu Hause zu berichten. Da sie sehr kooperativ waren, sich gesehen fühlten und offensichtlich großes Vertrauen in die Arbeit der Krippe aufgebaut hatten, konnten sie eine Reihe von Hinweisen aufnehmen und so entspannte sich auch die Situation zu Hause nach und nach.
Zum Ende des Kindergruppenjahres wurde einhellig festgestellt, dass Saskia sich so gut entwickelt hatte, dass eine besondere Förderung nicht mehr erforderlich war. Die Maßnahme konnte beendet werden. Saskia besucht die Krippe seitdem als Regelkind.


Was ist Erfolg in der Integration von Krippenkindern?
Nicht jedes Kind kann nach einem Jahr Förderung in der Krippe auf zusätzliche Unterstützung verzichten. Manche Kinder benötigen ihr ganzes Leben Hilfe und besondere Bedingungen, damit sie an der Gemeinschaft teilnehmen können. Dies hängt von der Art und Schwere der Beeinträchtigung ab. Erfolg kann deshalb etwas sehr unterschiedliches bedeuten. Für Saskia war es der Übergang in die Regebetreuung, für andere Kinder ist es ein großer Erfolg, wenn sie an den Ritualen und alltäglichen Abläufen der Gruppe selbstständig teilnehmen können, wenn sie in der Krippe eigenständig essen lernen oder als Teil der Kindergemeinschaft am Spiel teilnehmen können. Die Anregungen in den Gruppen, die Ansprache der Fachkräfte, der geregelte Ablauf und vor allem die anderen Kinder sind auf jeden Fall eine große Bereicherung und unterstützen jedes Kind bei seiner Entwicklung
Oldenburg, im Dezember 2014
*Name wurde zum Schutz des Kindes geändert